Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 

Letztes Feedback


http://myblog.de/ascheherz

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Ein Jahr ist es jetzt fast her. Freitag vor einem Jahr hab ich gesehen, wie du dort lagst. Angeschlossen an die Maschinen, die dich bei Bewusstsein und am Leben erhielten. Es war das schlimmste, was ich je gesehen hatte.
Niemals werde ich den Anblick vergessen. Mein kleiner Bruder, voller Wunden, überall Schläuche und Blut.

Ein Jahr ist es her, in dem ich niemals aufgehört habe, mir Sorgen um dich zu machen, wenn du unterwegs bist. Ein Jahr, in dem ich mich immer wieder gefragt hab, wie weit du es noch treiben willst, und was du dir davon versprichst, so zu leben.

Das Handy lag neben meinem Bett, aber ich hab es nicht gehört, denn in dieser Nacht habe ich ausnahmsweise tief und fest geschlafen. Ich sollte erst um 10h in der Schule sein, um meine Noten und damit mein "Sie haben bestanden" abzuholen. Doch Papa hat mich geweckt. Hat mich aus dem Schlaf gerissen, mit der schlimmsten Nachricht, die man kriegen kann.
Ich bin sofort hoch zum Krankenhaus, hab versucht Mama anzurufen und mich zu dir durchgekämpft. Ich hätte mich beinahe mit der Nachtschwester angelegt, denn es war gerade mal 5 Uhr. Niemand wusste genau, was mit dir war, weil man keine Informationen hatte, als du in den OP kamst.

Deine Leben war dem Tod gerade so von der Schippe gesprungen. Deine Niere war gerissen. Deine Milz und Leber gequetscht. Deine Lunge ebenfalls. In ihr steckte ein Schlauch, um das Blut dort rauszuholen. Beim Gedanken daran kommen mir die Tränen. Ich hatte noch niemals in meinem Leben solche Angst jemanden zu verlieren, wie an diesem Tag. Du hast das ganze gar nicht verstanden, hattest Angst davor, dass Papa dich anschreien würde. Das war deine größte Sorge.
Mama und ich haben dir ein paar Tage später erklärt, warum es so wichtig ist, dass du die Pusteübung machst, die dir so wehgetan hat. Ich hab deine Lunge mit einem Luftballon verglichen.
Du hast lange so getan, als hättest du es weggesteckt.

Hast du eigentlich die Psychologin angelogen oder bist du gar nicht erst hingegangen?
Mit keinem von uns wolltest du drüber reden. Nicht mal mit deinem Bruder, der jeden Tag zu dir gekommen ist, an deinem Bett saß, mit dir gesprochen hat oder schwieg. Er hat dir beim Schlafen zugesehen und wahrscheinlich genau so viel Angst gehabt wie wir, dich zu verlieren.

Bitte bitte, lieber Bruder, bitte tu das nie wieder. Jage mir nie wieder einen solchen Schrecken ein, der mich noch ewig verfolgt. Manchmal sehe ich dieses Bild in meinen Träumen, sehe es, wenn ich an das Datum denke und bin nicht mehr in der Lage, meine Gefühle zu beherrschen. Ich bitte dich... pass auf dich auf. Denn du lässt ja nicht zu, dass wir es tun.

Wir lieben dich alle, aber um es dir zu zeigen, musst du am leben bleiben.
7.6.11 21:01
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung